Der wirtschaftliche Nutzen eines Balkonkraftwerks hängt maßgeblich davon ab, wie viel des erzeugten Solarstroms Sie direkt im Haushalt verbrauchen. Strom, der ins öffentliche Netz fließt, bringt Betreibern von Mini-PV-Anlagen kaum nennenswerte Vergütung. Wer seinen Eigenverbrauch steigert, amortisiert die Anlage schneller und holt das Maximum aus jeder Sonnenstunde heraus.
Die Eigenverbrauchsquote gibt an, welcher Anteil des selbst erzeugten Solarstroms auch tatsächlich im eigenen Haushalt genutzt wird. Eine Quote von hundert Prozent bedeutet, dass kein Strom ins Netz eingespeist wurde – die Anlage hat genau so viel produziert, wie gleichzeitig verbraucht wurde. In der Praxis liegt die Quote ohne Speicher bei Berufstätigen, die tagsüber nicht zu Hause sind, oft deutlich unter fünfzig Prozent, weil der Mittagsertrag niemanden antrifft.
Warum ist das relevant? Weil eingespeister Überschussstrom für Balkonkraftwerk-Betreiber faktisch unentgeltlich verschenkt wird. Eine nennenswerte Vergütung für eingespeisten Strom aus Mini-PV-Anlagen ist nach aktueller Gesetzeslage nicht vorgesehen. Darum ist es wirtschaftlich weit sinnvoller, den Strom selbst zu verbrauchen, als ihn abzugeben. Einen guten Überblick über die Wirtschaftlichkeit bietet die Seite Lohnt sich ein BKW?.
Die wirksamste Methode, den Eigenverbrauch zu steigern, ist das zeitliche Verschieben von Großverbrauchern in die Stunden mit dem höchsten Solarertrag. Typischerweise liegt die Spitzenproduktion eines südausgerichteten Balkonkraftwerks zwischen elf und vierzehn Uhr. Wer zu dieser Zeit die Spülmaschine, die Waschmaschine oder den Wäschetrockner startet, nutzt günstigen Sonnenstrom statt teuren Netzstrom.
Moderne Haushaltsgeräte bieten Zeitvorwahl-Funktionen, die sich genau dafür eignen. Stellen Sie die Spülmaschine abends auf Zeitverzögerung, sodass sie mittags läuft. Auch das Laden von Smartphones, Tablets und Laptops lässt sich auf die Solarmittagsstunden legen. Wer ein Elektrofahrzeug besitzt, kann die Ladezeiten über die App koordinieren. Das gezielte Abstimmen mehrerer Geräte auf den Solarertrag nennt sich Lastmanagement und lässt sich mit smarten Steckdosen oder speziellen Steuergeräten weiter automatisieren. Mehr dazu lesen Sie unter Lastmanagement im Haushalt.
Warmwasser zählt zu den größten Energieposten eines Haushalts. Wer einen elektrischen Durchlauferhitzer oder einen Warmwasserspeicher betreibt, kann diesen gezielt in die Solarmittagsstunden legen und so den selbst erzeugten Strom direkt nutzen. Einige Haushalte kombinieren ihr Balkonkraftwerk mit einem kleinen Tauchsieder-Aufsatz für den Warmwassertank, der überschüssige Energie in Wärme umwandelt. Diese Lösung ist einfach umzusetzen und erhöht die Eigenverbrauchsquote spürbar.
Auch elektrische Heizlüfter oder Infrarotheizungen, die im Frühling und Herbst kurzzeitig benötigt werden, lassen sich gut in Solarmittagsstunden betreiben. Wichtig dabei: Überschreiten Sie nicht die Nennleistung Ihrer Anlage und achten Sie auf die zulässige Dauerbelastung der Haushaltsleitung. Im Zweifel sollten Sie eine Elektrofachkraft hinzuziehen, bevor Sie größere elektrische Verbraucher dauerhaft an einem Solarzweig betreiben.
Der größte Eigenverbrauchssprung gelingt mit einem Batteriespeicher. Ein Speicher fängt den mittäglichen Überschuss auf und gibt ihn abends ab – genau dann, wenn keine Sonne mehr scheint, aber der Haushalt Strom benötigt. Dadurch lässt sich die Eigenverbrauchsquote in vielen Fällen auf über achtzig Prozent steigern. Nulleinspeisung, also der Betrieb ohne jegliche Netzeinspeisung, ist mit einem ausreichend dimensionierten Speicher und einem intelligent steuernden Wechselrichter möglich, geht aber zu Lasten der Wirtschaftlichkeit, wenn der Speicher dafür überdimensioniert werden muss.
Unerlässlich für jede Optimierungsstrategie ist ein verlässliches Monitoring. Nur wer weiß, wann seine Anlage wie viel produziert und wann der Haushalt wie viel verbraucht, kann die Lastverschiebung gezielt anpassen. Smarte WLAN-Steckdosen, Wechselrichter-Apps und Energiemonitore liefern diese Daten in Echtzeit. Eine Übersicht über verfügbare Werkzeuge finden Sie unter Ertragsüberwachung. Wer seinen Eigenverbrauch konsequent optimiert, holt deutlich mehr aus seiner Mini-PV-Anlage heraus, als bloße Leistungszahlen auf dem Datenblatt vermuten lassen.