Balkonkraftwerk auf der Freifläche: Garten, Wiese und Terrasse

Der Name „Balkonkraftwerk" ist eigentlich irreführend: Die kleine Photovoltaikanlage kann überall aufgestellt werden, wo Sonne scheint und ein Stromanschluss in der Nähe ist. Garten, Terrasse oder Wiese bieten gegenüber dem Balkon sogar entscheidende Vorteile – freie Ausrichtung, keine störenden Geländer und in vielen Fällen weniger bürokratische Hürden. Was Sie bei der Freiflächenmontage beachten sollten, erklärt diese Seite.

Aufstellsysteme für die Freifläche: Gartenständer, Erdspieß und Bodenplatte

Für die Freifläche stehen grundsätzlich drei Montagelösungen zur Verfügung, die sich in Stabilität, Aufwand und Flexibilität unterscheiden. Der klassische Gartenständer ist ein rahmenartiges Gestell aus Aluminium oder verzinktem Stahl, das die Module in einem festgelegten Neigungswinkel trägt. Er steht frei auf dem Boden und wird durch sein Eigengewicht oder zusätzliche Ballastgewichte stabilisiert. Der Vorteil: Er ist ohne Werkzeug aufgestellt und kann jederzeit versetzt werden. Der Nachteil: Auf weichem Untergrund wie Rasenflächen kann er bei Sturm verrutschen, wenn kein ausreichendes Gegengewicht vorhanden ist.

Erdspieße werden direkt in den Boden gerammt und bieten eine kompaktere Standbasis. Sie eignen sich gut für weiche Böden, brauchen aber einen gewissen Mindestabstand zum Fundament, damit keine Wurzeln oder Leitungen beschädigt werden. Betonbodenplatten oder mit Sand gefüllte Gewichtsplatten dienen als ballastgestützte Alternative auf Terrassen und gepflasterten Flächen, wo ein Eindringen in den Boden nicht möglich ist. Mehr zu den verschiedenen Ständersystemen finden Sie auf unserer Seite zu Gartenständern.

Vorteile der Freifläche gegenüber dem Balkon

Der wichtigste Vorteil einer Freiflächenaufstellung ist die freie Wahl von Ausrichtung und Neigungswinkel. Auf dem Balkon sind Sie an die Orientierung des Gebäudes gebunden. Im Garten können Sie Ihre Module optimal nach Süden ausrichten und den Neigungswinkel exakt auf Ihren Breitengrad einstellen. Das maximiert den Jahresertrag erheblich. Zudem entfallen häufig die sonst üblichen Genehmigungspflichten: Wer die Anlage im eigenen Garten aufstellt, muss in den meisten Fällen keine Zustimmung von Vermieter oder Wohnungseigentümergemeinschaft einholen, da keine gemeinschaftliche Gebäudefläche genutzt wird.

Auch der freie Blick auf den Himmel ohne störende Brüstungen oder Nachbargebäude verbessert den Ertrag – gerade in den Morgen- und Abendstunden, wenn der Sonneneinfallswinkel flach ist und Geländer auf dem Balkon den unteren Teil der Module verschatten würden. Im Garten hingegen steht das Modul frei und profitiert von der gesamten Sonnenbahn.

STORCUBE S1000 – 1 200 W BKW mit 2 048 Wh LiFePO₄-Speicher
Empfohlen
Jetzt bei Amazon ansehen1200 W Solar Input · 800 W AC Output · 2 048 Wh · Plug-&-Play

Kabelweg vom Garten ins Haus sorgfältig planen

Der kritische Punkt bei jeder Freiflächenanlage ist der Kabelweg vom Aufstellort zum Einspeisepunkt im Haus. Das DC-Kabel zwischen Modul und Wechselrichter ist in der Regel kurz und im Lieferumfang enthalten. Das AC-Kabel vom Wechselrichter zur Steckdose im Haus muss jedoch separat geplant werden. Für den Außeneinsatz sind ausschließlich UV-beständige Außenkabel zulässig; einfache Verlängerungskabel aus dem Haushaltsbedarf sind dafür nicht geeignet.

Wird das Kabel über eine längere Strecke durch den Garten verlegt, ist eine Erdverlegung empfehlenswert: Das Kabel liegt dann geschützt vor Rasenmähern, Gartengeräten und Wettereinflüssen. Für die Erdverlegung sind spezielle Erdkabel (NYY-J oder ähnlich) vorgeschrieben, die in einer Tiefe von mindestens 60 cm und in einem Schutzrohr verlegt werden sollten. Hinzuziehen einer Elektrofachkraft ist bei dieser Arbeit dringend empfohlen, da eine fachgerecht ausgeführte Erdverlegung sowohl sicherheitstechnische als auch versicherungsrechtliche Relevanz hat. Details zu den verschiedenen Anschlussmöglichkeiten erklärt unsere Seite zum elektrischen Anschluss via Schuko, Wieland oder Festanschluss.

Standsicherheit, Diebstahlrisiko und Anmeldepflicht

Auf der Freifläche sind Windlasten besonders zu beachten. Freiflächenmodule ohne schützende Gebäudestruktur sind dem Wind direkt ausgesetzt. Bei aufziehendem Sturm kann eine unzureichend gesicherte Anlage umgeworfen werden und dabei Module, Kabel oder benachbarte Gegenstände beschädigen. Prüfen Sie die Windlastangaben des Ständersystems und sichern Sie die Anlage bei Bedarf durch zusätzliche Gewichte oder Bodenbefestigungen. Auf Terrassen kann das Gerät bei extremem Sturm vorübergehend in flachere Position gebracht oder ins Innere getragen werden.

Ein weiterer Aspekt, der auf der Freifläche stärker ins Gewicht fällt als am Balkon, ist das Diebstahlrisiko. Solarmodule und Wechselrichter haben einen erheblichen Wiederverkaufswert. Auf einem ungesicherten Grundstück oder einer nicht einsehbaren Fläche können sie leichter entwendet werden als an der Hauswand. Diebstahlsicherungen wie Kabelschlösser, verschraubte Verbindungen oder Bewegungsmelder mit Kameraanbindung sind sinnvolle Ergänzungen.

Rechtlich gilt: Auch eine Freiflächenanlage, die am Hausnetz eingespeist wird, muss im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur angemeldet werden. Die Anmeldung ist für Anlagen bis 800 W in der Regel vereinfacht und kostenlos. Alle Details zur Registrierung finden Sie auf unserer Seite zur Marktstammdatenregister-Anmeldung.