Teilverschattung ist einer der häufigsten und am meisten unterschätzten Ertragsvernichter bei Balkonkraftwerken. Schon ein schmaler Schatten, der nur einen Teil eines Moduls bedeckt, kann die gesamte Anlage erheblich ausbremsen. Wer die physikalischen Zusammenhänge versteht, kann Verschattungsquellen bereits vor dem Kauf erkennen und geeignete Gegenmaßnahmen treffen.
In einem herkömmlichen PV-Modul sind Solarzellen in Reihe geschaltet. Der Gesamtstrom des Strangs wird durch die schwächste Zelle bestimmt – ähnlich wie eine Kette, die nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Liegt eine Zelle im Schatten, erzeugt sie deutlich weniger Strom. Da alle anderen Zellen ihren Strom nicht durch die schwache Zelle treiben können, sinkt der Gesamtstrom des gesamten Strings auf das Niveau der schwächsten Zelle. Das Ergebnis: Bereits fünf Prozent verschattete Modulfläche können zu einem Ertragsrückgang von zwanzig bis dreißig Prozent oder mehr führen – weit mehr als die reine Flächenrechnung erwarten ließe.
Dieser sogenannte String-Effekt ist der Grund, warum Standortanalyse so wichtig ist. Informieren Sie sich bereits vor dem Kauf über mögliche Verschattungsquellen und planen Sie die Montage so, dass die Module möglichst ganztägig unverschattet bleiben. Grundlagen zur optimalen Platzierung finden Sie unter Ausrichtung & Neigungswinkel.
Am häufigsten verursachen Balkongeländer Teilverschattung. Je nach Neigungswinkel des Moduls und Tageszeit kann das Geländer einen Schatten auf die unteren Modulreihen werfen. Auch Markisen, die im Sommer ausgefahren werden, können stundenweise Schatten auf die Module werfen – ausgerechnet dann, wenn die Einstrahlung am höchsten wäre. Bäume stellen besonders tückische Verschattungsquellen dar, weil sich ihr Schattenwurf im Laufe des Jahres und des Tages verändert. Was im Frühling noch keine Probleme macht, kann im Sommer erhebliche Ertragseinbußen verursachen.
Schornsteine und Satellitenschüsseln auf Nachbardächern werfen schmale, wandernde Schatten, die zu bestimmten Uhrzeiten gezielt einzelne Zellreihen treffen. Beobachten Sie Ihren geplanten Standort zu verschiedenen Tageszeiten und zu verschiedenen Jahreszeiten, bevor Sie die endgültige Montageposition festlegen. Eine Thermografieaufnahme kann nach der Installation helfen, bereits existierende Hot-Spots durch Teilverschattung sichtbar zu machen.
Moderne Solarmodule sind mit Bypass-Dioden ausgestattet, die bei Teilverschattung einspringen. Eine Bypass-Diode überbrückt eine verschattete Zellgruppe und leitet den Strom an ihr vorbei. Dadurch verliert man zwar den Beitrag dieser Zellgruppe, aber die restlichen Gruppen können weiterhin auf einem höheren Leistungsniveau arbeiten. Ohne Bypass-Dioden würde eine einzige verschattete Zelle die Leistung des gesamten Moduls auf nahezu null drücken. Qualitativ hochwertige Module verfügen über mehrere Bypass-Dioden pro Panel, was den Schadensbereich auf einzelne Zellgruppen begrenzt.
Wer häufig mit Teilverschattung rechnen muss, profitiert von Power Optimizern oder einem Mikrowechselrichter. Power Optimizer werden direkt an jedem Modul montiert und suchen für jedes Panel unabhängig den optimalen Arbeitspunkt. Damit wird der String-Effekt weitgehend aufgehoben. Mikrowechselrichter gehen noch einen Schritt weiter und wandeln den Gleichstrom jedes einzelnen Moduls separat in Wechselstrom um. Beide Technologien erhöhen die Kosten, zahlen sich aber bei regelmäßiger Teilverschattung durch deutlich höhere Jahreserträge aus. Mehr Informationen zu diesen Technologien finden Sie unter Optimierung (MPPT-Tracker, Power Optimizer) sowie bei der allgemeinen Fehlerdiagnose, falls Sie Ertragseinbrüche bereits bemerkt haben.
Die einfachste Methode zur Verschattungsanalyse kostet nichts: Fotografieren Sie Ihren geplanten Modulstandort über mehrere Tage hinweg jeweils morgens, mittags und am späten Nachmittag. Auf den Bildern erkennen Sie schnell, welche Objekte zu welcher Uhrzeit Schatten werfen und ob dieser die Modulfläche trifft. Bedenken Sie dabei den Jahresverlauf: Im Winter steht die Sonne deutlich flacher, sodass Schatten erheblich länger ausfallen als im Sommer. Ein Standort, der im Juni völlig frei erscheint, kann im Dezember über Stunden im Schatten eines Nachbargebäudes liegen.
Nach der Inbetriebnahme hilft eine kontinuierliche Ertragsüberwachung, Verschattungsverluste sichtbar zu machen. Zeigt die Tageskurve regelmäßig zur selben Uhrzeit einen deutlichen Einbruch, ist eine wandernde Verschattung die wahrscheinlichste Ursache. Mit diesen Daten können Sie gezielt gegensteuern – etwa durch eine leicht versetzte Montageposition, einen anderen Neigungswinkel oder den Rückschnitt von Bewuchs, sofern dieser auf Ihrem eigenen Grundstück steht. Oft genügen wenige Zentimeter Verschiebung, um eine störende Schattenkante dauerhaft von der Modulfläche fernzuhalten.